
Wir sind gerade im Sommerurlaub in Zeeland, mitten in den Dünen bei Valkenisse auf Walcheren.
Letztes Jahr haben wir hier unsere erste „echte“ Radtour mit unserem Kind nach Vlissingen und zurück gemacht – das hat gut funktioniert.
Dieses Jahr sollte es etwas Neues sein – und ich habe die Tourenplanung mal an Claude delegiert.
Die Aufgabe
Mein Prompt war bewusst kurz:
Such mir Fahrradrouten von unserer Unterkunft raus, die für ein Kind passen, das bald in die Schule kommt – gerne mit Spielplatz oder Pfannkuchenhaus auf der Strecke.
Als Referenz habe ich die Vlissingen-Tour vom letzten Jahr erwähnt (und Claude hat mir verraten, dass das etwa 14 Kilometer waren).
Zurück kamen vier Vorschläge, von der 5-Kilometer-Tour zum Spielplatz im Nachbardorf (definitiv zu kurz) bis zur „großen“ Tour nach Westkapelle mit Leuchtturm und Deich. Was zumindest schon mal gut geklappt hat: Die Vorschläge waren passend recherchiert und nicht halluziniert. Alle Öffnungszeiten, Bewertungen etc. waren entsprechend mit Quellen belegt. Und ja, ich habe alle gegengeprüft 😀
Ein PDF für die Familienabstimmung
Da ja bei der Radtourplanung durchaus andere Familienmitglieder mitzureden haben, habe ich mir ein PDF bauen lassen: pro vorgeschlagener Tour eine Seite mit (OpenStreetMap-)Karte, einer kurzen Ampel, die die Schwierigkeit anzeigt, einem Block „Radweg oder Straße?“ und Pro- und Contra-Punkten für die Familienabstimmung.
Netter Nebeneffekt der konkreten Kartenerstellung: Die Distanzen wurden (im Gegensatz zur vorherigen Abschätzung) exakt per Fahrrad-Routing gerechnet – und waren teils deutlich kürzer als Claude ursprünglich geschätzt hatte.

Die wichtigste (und eigentlich einzige) Iterationsschleife: Alle Touren waren „hin und auf demselben Weg zurück“. Das ist dann doch ein bisschen langweilig. Also:
Mach mir bitte Rundtouren draus.
Ein paar Minuten später waren drei der vier Touren dann auch echte Runden mit unterschiedlichem Hin- und Rückweg – und Karten und PDF aktualisiert. Aus der mittleren Tour wurde so eine richtige 11-Kilometer-Runde: landeinwärts über zwei Dörfer, zurück über den Dünenweg an der Küste.
Auch die Detailfragen, die man sonst zusammengoogelt und über Google Maps raussucht, konnte man gut im Chat klären: Was gibt es eigentlich in Koudekerke? Antwort: Ehrlicherweise nicht viel :-D, das Dorf ist eher der hübsche Zwischenstopp.
Aber es gibt eine Bäckerei mit Zeeuwse Bolussen, eine Eisdiele und einen Alpakahof an der Strecke (der allerdings nur mit vorab gebuchtem Termin besucht werden kann).
Eine Karte fürs Kind
Um dem Kind die „langweilige Fahrradtour“ schmackhafter zu machen, gab es dann noch eine eigene Karte. Die Route in Pink, ein Haus-Icon bei unserer Unterkunft („Zuhause“, als Start und Ziel), ein Karussell am Spielplatz, ein Eis-Icon bei der Eisdiele.
Dazu eine kleine Legende, zwei „optionale Abenteuer“ (eine historische Windmühle und die Alpakas) und ein Such-Bingo für unterwegs: Kuh, Schaf, Traktor, Pferd und Kirchturm zum Abhaken. Als PNG aufs Handy gespeichert war das unsere „Schatzkarte“ für den Ausflug.

Ich hab mir die Route dann als GPX-Datei ausgeben lassen (alternativ genau so als Google-Maps-Link mit gesetzten Zwischenzielen möglich). Die GPX-Datei habe ich in Komoot importiert – damit war die Navigation unterwegs dann super komfortabel: Routing auf der Apple Watch, abbiegen, wenn das Handgelenk vibriert, und das Handy bleibt in der Tasche (da wir gemietete Fahrräder hatten, hatte ich auch keine Handyhalterung am Lenker).
Apropos Komoot: Das ist jetzt definitiv nicht mein favorisierter Dienst, und nachdem sie von Bending Spoons übernommen wurden, die schon eine Reihe anderer Apps übernommen und zur Umsatzsteigerung kaputt optimiert haben, sollte man sie auch nicht weiter unterstützen. Ich muss da mal einen Schlussstrich ziehen und mir ein anderes Setup suchen.
Damit meine Daten nicht bei irgendeinem Cloudanbieter versauern, habe ich mir dafür mal wanderer aufgesetzt. Das ist eine selbstgehostete Trail-Datenbank, die bei mir im Homelab läuft. Zu wanderer schreibe ich demnächst noch einen eigenen Post. Aktuell habe ich jetzt erst mal alle Komoot-Touren dort importiert. Inklusive der hier beschriebenen Fahrrad-Tour.

Der Praxistest
Gefahren sind wir die Runde gestern, und zwar mit zwei Anpassungen vom selben Morgen: Das ursprünglich rausgesuchte Restaurant mit Indoor-Spielplatz hatte Ruhetag (korrekt von Claude bemerkt), also wurde die Route kurzerhand mitten durchs Dorf über die Eisdiele umgeroutet – mit einem Eis als Halbzeit-Belohnung.
Und ich habe die Richtung der Runde dann noch mal geändert, damit der Spielplatz auf der Zielgeraden liegt, falls am Ende noch Restenergie loszuwerden ist… Kurze Anweisung, neue GPX-Datei, fertig.
Die Tour selbst war dann (bewusst gewählt) nur etwas mehr als 10 Kilometer. Flach, größtenteils Radweg, und es hat alles funktioniert wie geplant. Das Bingo hat Spaß gemacht (jeder Fund musste einmal fotografiert werden), nur eine Kuh fehlte uns nachher noch, um 100% zu erreichen 😀
Fazit
Nach meiner Meinung ist das ein schöner Anwendungsfall für KI-Unterstützung im Alltag: ein geduldiger Assistent, der recherchiert, Öffnungszeiten prüft, Vorschläge macht, auf Zuruf umplant und am Ende Output produziert, den man einfach in verschiedenen Ausführungen nutzen kann – als PDF fürs Handschuhfach (weniger bei Radtouren…), eine GPX-Datei fürs Handy, eine (Schatz-)Karte fürs Kind.
Der ganze Prozess lief nebenbei in einer halben Stunde Urlaubs-Zeit, verteilt über ein paar Chatnachrichten. Und ja, fair point, das macht mir auch noch Spaß…
Blind verlassen würde ich mich trotzdem nicht darauf – ein grober Sanity-Check und ein Blick auf Öffnungszeiten und Strecken macht oft schon noch Sinn. Aber in diesem Fall gab es schlicht nichts zu korrigieren.
Und ein Fast-Schulkind, das motiviert mit Schatzkarte und Such-Bingo losradelt, ist ein ziemlich gutes Testurteil.